Jürgen und die Liebe

Mein Kollege, nennen wir ihn Jürgen, will zum Islam konvertieren: Das ist der Anlass dieses Texts, dieser Fakt und meine Fassungslosigkeit darüber.
Ich mag Jürgen gerne. Aufmerksamen Leserinnen dieses Blogs kann er als langjähriger Leiter eines Dolly-Buster-Erotikmarkts in Erinnerung gerufen werden, der 51-jährige Kollege, der mich allmorgendlich mit nach Sachsen-Anhalt nimmt, wo wir – Quereinsteiger alle beide – Integrationskurse für syrische, afghanische, somalische und eritreische Geflüchtete unterrichten. An eine Kursteilnehmerin, eine syrische Physiklehrerin Mitte zwanzig, die mich auf dem Gang stets freundlich anlächelt, hat Jürgen sein Herz verloren. Und weil es nun mal Hanans Religion und Kultur ist: das Kopftuch, das Alkohol- und Schweinefleischverbot, das Gelöbnis vorm Imam und das fünfmalige tägliche Gebet, ist Jürgen gewillt, all das auf sich zu nehmen, um – ein knappes Jahr nach der Trennung von seiner Frau – Hanan zu heiraten und eine neue Familie mit ihr zu gründen. Das ist der schnöde Fakt.
Als Jürgen mir nebenher mitteilte, dass er sich seit Neustem von Leberwurstbroten fernhält, um islamischen Richtlinien zu genügen, war meine Reaktion dramatisch. Nachdem er mir endlich glaubhaft versichert hatte, dass er mich nicht grotesk auf den Arm nimmt, brach ich in Tränen aus:
Du willst dich ernsthaft dieser Religion in den Rachen werfen, über deren Auswüchse wir uns immer lustig gemacht haben?
Du kannst dich jetzt auch über mich lustig machen. Sie darf nun mal keinen Mann haben, der kein Moslem ist.
Und du willst in diese Moschee gehen, von der wir oft gehört haben, dass der Imam fanatisch ist und selbst den Teilnehmern zu verrückt?
Ich muss ja nur einmal hin, um das Bekenntnis zu sprechen.
Und wenn ihr Kinder bekommt und wenn es Mädchen sind, willst du die dann verschleiern?
Klar, nickte Jürgen. Es sei nun mal Hanans Religion.

Ich kann ihm dieses neue Glück nicht gönnen: Alles daran ist falsch in meinen Augen. Ich kann das Persönliche an dieser Entscheidung kaum gelten lassen: Jürgens Unglück über sein Alleinsein, das Getrenntsein von seinen Kindern; seine Sehnsucht, wieder mit einer Frau zusammenzuleben; die naive Aufrichtigkeit, mit der er Hanan und sich selber ein schönes Leben bereiten will, wofür er gerne ein paar Einschränkungen auf sich nimmt. Macht ja Sinn, in seinem Alter langsam das Saufen sein zu lassen; seine Exfrau mochte das auch schon nicht gern. Und all die Köstlichkeiten mit Rind und Lamm, die Hanan ihm vorsetzt …
Ich kann das Persönliche nicht gelten lassen, weil die politischen Faktoren in Jürgens Entscheidung eine so große Rolle spielen. Zum einen: das Patriarchat, Jürgen, das du nicht siehst, wofür ich dir ins Gesicht springen könnte. Dass es so leicht möglich ist, dass ein Fünfzigjähriger seine Frau verlässt, weil die Zärtlichkeit fehlt, dass er sich eine eigene Wohnung nimmt und es völlig selbstverständlich ist, dass die Exfrau sich fortan alleine um die beiden Kinder im Jugendalter kümmert; ja, dass Jürgen noch beleidigt ist, weil seine Kinder nichts mehr von ihm wissen wollen und sich auch für seine neue Liebe nur wenig interessieren. Natürlich zahlt er Unterhalt, und sie kommen zu ihm, wenn sie neue Sneakers wollen oder sturmfreie Bude. Die Vierzehnjährige hat er auch mehrmals im Krankenhaus besucht, weil sie neuerdings komische psychosomatische Symptome hat. Klar kümmert er sich; für die Familie tut Jürgen alles. Aber hat er nicht ein Recht auf Liebe? Verständlich, dass er sich lieber auf die Neue konzentriert und die zukünftigen Kinder.
Zum anderen: der Islam, Jürgen, alter Ossi, ehemaliger NVA-Offizier, Atheist ein Leben lang, der sich vor einer Weile noch mit mir zusammen über den Fastenwahn und den religiösen Moralismus unserer Kursteilnehmer mokiert hat. Und jetzt, nach dem Chaos des letzten Jahres, unterwirft er sich selbst diesem autoritären System, von dem er sich ein geordnetes und erfülltes Leben erhofft, sofern er nur an die Regeln einhält. Bei allem Verzicht auf Leberwurst und Feierabendbier scheint ihm die Unterwerfung leichtzufallen, denn Jürgen – anders als ich weder weiblich noch homosexuell – hat nicht viel zu verlieren. Im Gegenteil, er kriegt eine neue, junge Frau, die zwar eine höhere Schulbildung hat und berufstätig war; aber es hört sich so an, als wurde ihr die Aufopferung für die Familie gründlich eingetrichtert. Hanan wohnt mit ihren drei Geschwistern zusammen, mit denen sie geflüchtet ist, und werde, wie Jürgen erzählt, von ihrem großen Bruder tyrannisiert, der im Haushalt keinen Handschlag tue, Hanan und ihrer Schwester aber genau vorschreibe, was sie anzuziehen und wann sie das Haus zu verlassen haben. Der Bruder fühle sich hier in Deutschland als Stellvertreter des Vaters. Ich vermute, er will die Schwestern sowohl vor moralischer Verwahrlosung wie auch vor der rassistischen Belästigung durch die Sachsen-Anhaltiner schützen, und führt sich dabei wie der größte Pascha auf. Die beiden Frauen hätten wohl schon überlegt, ins Frauenhaus zu gehen; bis Jürgen kam und Hanan seine Liebe gestand.

Ach, die Verhältnisse sind verwickelt und überschattet von meiner Enttäuschung. Ich mag Jürgen doch gerne, jeden Morgen setzt er mir Kaffee vor und ich weiß, dass er ein weiches Herz hat und auf der Arbeit von denselben Dingen genervt ist wie ich. Jürgen ist ein angenehmer Teil meines Alltags; obwohl er seit seiner Trennung allzu sehr dazu übergegangen ist, mich als verständnisvolles Ohr zu adressieren und dabei sehr viel zu reden. Sein Anspruch nicht nur auf Liebe, sondern auch auf das Ohr einer Frau erstaunt und ermüdet mich.
Freilich vermute ich, dass der liebe Jürgen sich an den verwickelten Verhältnissen noch die Zähne ausbeißen wird. Schon jetzt ärgert ihn, dass er im Laufe der Verlobungszeit Hanans Haar noch nicht zu sehen bekommen hat. Lediglich ein Foto mit Kussmund, Mähne und moderatem Ausschnitt hat sie ihm geschickt. Stolz zeigte Jürgen das Foto mir und einer anderen Kollegin – bei geschlossener Lehrerzimmertür, denn Hanan habe ihm geschrieben, das sei eigentlich verboten.
Die Whatsapp-Konversation war mit „Schatz“ übertitelt. Wie gut, dass Jürgen Hanan, als ihr Deutschlehrer, die Bedeutung der Worte und der Verhältnisse in Deutschland stets erklären kann.
Was ist, wenn deine kleine muslimische Tochter keinen Bock aufs Kopftuch hat, Jürgen, wenn sie auf Gott pfeift und sich für Punk interessiert oder für Frauen? Ich wünsche dir die Auseinandersetzung damit, ich wünsch sie dir von ganzem Herzen. Und Hanan wünsch ich sie, und vor allem eurer Tochter.

Status quo

Vormittags allein im Café sitzen, eine Frau Anfang dreißig, ungestört lesend und vor mich hin fabulierend, mit Lust aus einem kulturellen Reichtum schöpfend, der mir ohne große Mühe zugänglich ist, nur vage im Hinterkopf: die Lohnarbeit, die politische Lage, eilige Dinge – stundenlang dort sitzen, ohne über das Geld für einen zweiten, dritten Kaffee nachzudenken – das alles wenigstens ab und zu –: ein Status quo, der nicht immer gut ist, aber mir lieb, vertraut, außerdem oft produktiv und so viel mehr, als der globale Durchschnitt, zumal der weibliche, sich an Müßiggang erlauben kann.

Unruhig aufsehen, wenn schwer bepackte Hausfrauen, wenn Polizisten vorübergehen, als wäre er schon wieder eine Anmaßung, dieser Status quo; den Kaffee bezahlen, das Heft zuklappen, Heft, Buch, Zeitschrift einstecken, mich ins Schaltuch verziehen und denken:

Mit Zähnen und Klauen will ich ihn verteidigen.

Wisentgebiet

Mein Lieblingstier ist der Wisent. Ich begegnete ihm zuerst in einem kühlen Frühjahr im äußersten Osten Polens, wo der letzte Rest europäischen Urwalds steht. Mittlerweile hat die polnische Regierung, die auf konsequente Naturbeherrschung setzt, große Teile davon abgeholzt. Aber damals standen sie noch unter Schutz: Linden und Eichen, dazu recht kahles, moosbewachsenes Unterholz, und an den Waldrändern befanden sich Schilder mit der Aufschrift Uwaga! Kraina Żubra, „Achtung, Wisentgebiet“.
Wir kamen nachts im Städtchen Białowieża an, nach vielen Stunden Autofahrt; unterwegs war uns kein Wisent begegnet, sondern Wald, Wald, tiefe Dunkelheit und ein Elch, der sich unwillig vom Scheinwerferlicht wegdrehte. Nur eine dünne rote Blechwand – ein Gehäuse mit vier Menschen, verbrauchter Luft und Kekskrümeln – trennte uns von diesem Übermaß an Natur. Zehn Kilometer weiter östlich lag die Außengrenze der EU. Białowieża bestand aus einer Handvoll Häusern, eins davon war die Jugendherberge, wo ausgestopfte Tiere herumstanden und weich gefederte Betten einen verschlangen. Vor der Tür und vor den Fenstern stand eine schwarze Wand, hinter der es leise rauschte, raschelte und pfiff. Unser Nachtspaziergang führte nicht weit, es war zu unheimlich dort draußen.
Am Morgen erinnerte der polnische Urwald eher an den Leipziger Auwald als an einen märchenhaften Finsterwald. Eine pensionierte Deutschlehrerin namens Frau Maria führte uns herum, hielt ihre Handtasche sehr gerade und referierte Sachkundiges: Hier sehen Sie eine hundert Jahre alte Linde, hier ein braunes, weil eisenhaltiges Flüsschen, hier den Platz, wo viele Partisanen erschossen wurden, und dort eine Gruppe junger Eichen … Als wir von der Tour zurückkehrten, hielt uns ein Rentner mit roter Säufernase selbstgeschnitzte Holzwisente entgegen; ich kaufte eins. Nein, sagte Frau Maria, als wir auf die Uwaga!-Schilder zeigten: Wisente gebe es in diesem Bezirk nicht mehr, dazu müssten wir einen anderen, als Nationalpark deklarierten Teil des Waldes besuchen. In diesem Moment reifte es in mir zu einem festen Vorhaben, die Wisente zu sehen.
Es bleibt zu erwähnen, dass der Zweck dieser Reise darin lag, verschiedene Konzentrationslager zu besichtigen und dabei Informationen für zukünftige Bildungsreisen zu sammeln. Wir hatten die Vernichtungslager Treblinka und Sobibór im polnischen Hinterland besucht, von denen die Leute im benachbarten Plattenbau nichts wussten. Bełżec und Majdanek standen uns noch bevor, ebenso – als krönender Abschluss – die Renaissancestadt Zamość, der Geburtsort Rosa Luxemburgs. Abgesehen von Zamość hielt ich diesem Programm nicht gut stand. Aus historischem Pflichtgefühl als deutsche Linke setzte ich mich diesen Orten aus und überforderte mich und warf mir meine Überforderung vor. Ich will an dieser Stelle nicht versuchen, die richtigen Worte für diese Erfahrung zu finden. Wenn ich jetzt, sieben Jahre später, an unsere Reise zurückdenke, fällt mir neben der Überforderung auf, dass etwas Jugendliches, fast Träumerisches in der Erinnerung liegt, wie wir mit dem kleinen roten Micra – Supermicra genannt– über die schlechten Straßen gebrettert sind. Ich war Studentin, noch nicht in erster Linie Arbeitnehmerin; der gesellschaftliche Rechtsruck war noch nicht unignorierbar präsent und Polen noch nicht so stracks auf dem Weg in den Autoritarismus wie heute. Der EU-Beitritt lag nicht lange zurück, 2008 hatte die Warschauer Polizei zum ersten Mal konsequent einen Christopher Street Day beschützt, vor Nazis wie vor stockschwingenden katholischen Omas, und viele hatten Hoffnung. Das änderte natürlich nichts daran, dass es arg war, die Überreste der nationalsozialistischen Vernichtungslager zu sehen; ich fror sehr viel auf dieser Reise. Aber es war gut, am Tag nach dem Ausflug mit Frau Maria den Wisenten zu begegnen.
Der Wisent ist kleiner als der nordamerikanische Bison, er hat einen mächtigen Kopf, einen beeindruckenden Buckel und fällt dann nach hinten etwas ab. Er hat große Nasenlöcher, aus denen es leise schnaubt, und ist wunderbar zottig. Sofern ein Wisent-Kuh-Gemisch vorliegt, ist er größer, noch zottiger, fast schwarz und heißt żubroń. Diese Wisentkühe, die das Potenzial zu einem robusten, nahezu anspruchslosen Nutztier haben, sind das Allerschönste: stark gebaut, mit mächtigem, hübsch gehörntem Schädel. Beide, żubr wie żubroń, verständigen sich mit Rülpslauten und kauen schnaufend Gras und Heu in sich hinein. Die schönen Tiere eignen sich sehr gut, um Eigenschaften wie Geduld, Toleranz, Gemütsruhe zu illustrieren, empfand ich, knöcheltief im feuchten Waldboden versinkend. Laut Frau Maria fressen Wisente am liebsten Buschwindröschen.
Das Andere, was mich am Wisent melancholisch macht, ist die Verletzlichkeit der Art. Der Wisent ist eigentlich ein ausgestorbenes Tier, das nur dank einigen in Zoos und Wildparks erhaltenen Exemplare erhalten blieb und wieder ausgewildert werden konnte. Solchermaßen rückgekehrt, stehen sie im Białowieża-Nationalpark herum und käuen wieder: schön, massiv, etwas unter Inzucht leidend, aber gleichwohl stabil. Im Angesicht eines Wisents zu zweifeln und zu schwanken ist fast nicht möglich. Ich verließ Białowieża mit einem warmen Gefühl.
Drei Tage später war alles überstanden. In Zamość logierten wir in einem kleinen Bungalow, ich schlief direkt unterm einzigen Fenster, das weit offen stand, und befand mich wohl. Ich hatte meinen Holzwisent im Gepäck, und Mona hatte mir versichert, dass zu Hause im Wildpark ebenfalls Wisente stünden.

Sehr schön

Ich fahre als Prüferin für den Deutschtest für Zuwanderer nach Magdeburg: samstagmorgens halb fünf, mit der kalten grauen Klammer ums Herz, die ich seit einiger Zeit habe, wenn ich Leipzig Richtung Provinz verlasse. Und auch diesmal täuscht sie mich nicht. Die Taxifahrerin, die mich nach meiner Zugverspätung zum Prüfungszentrum kutschiert, kommentiert: Ach, in diese komische Schule wollnse … Na, Sie wissen schon. Ja, ich weiß schon. Zum ersten Mal in Magdeburg? Ich sag‘s Ihnen gleich, mit der Innenstadt isses nich weit her, die is noch in der Nacht vom 16. Januar 45 in Grund und Boden gebombt worden.
In der mündlichen Prüfung sind die Teilnehmer freundlich und aufgeregt wie immer: siebzehn unbekannte Schicksale. Eine besticht mein Germanistinnenherz (von dem sie nichts weiß) mit der Auskunft, sie lese Goethe auf Arabisch, das finde sie sehr schön. Eine Andere berichtet, dass sie als Arabischlehrerin für kleine Kinder arbeiten will, und wegen ihrer strengen Verschleierung und ihrer zornigen Augenbrauen habe ich dabei kein gutes Gefühl. Zwei Leute, die ein Picknick zusammen planen sollen, streiten sich, ob es Alkohol geben soll, beide mit etwa gleich großer Vehemenz; bis der Abstinenzler mit den Achseln zuckt und großmütig sagt: Ich trinke Cola, du trinkst Bier, egal!
Ein Anderer schluckt und bekommt rote Augen, als meine Kollegin nach seiner Heimatstadt fragt: Afrin. Seit Tagen sei jede Verbindung abgebrochen, er wisse nicht, ob seine Eltern noch leben. Meine Kollegin und ich sehen uns an, dann fragt sie nach seinem beruflichen Fortkommen und er antwortet, er sei Dönermann im Hauptbahnhof, das sei sehr schön. Als er das Picknickgespräch mit seinem eritreischen Mitprüfling führen soll, dem einzigen Schwarzen in der Gruppe, würdigt er ihn keines Blicks.
Und alle erklären Magdeburg für sehr schön: viele Kirchen, viele Kinos, viele Sehenswürdigkeiten und Fluss Elbe. In der Pause erzählt die Vertreterin des Prüfungszentrums, es sei schon schlimm hier mit der Fremdenfeindlichkeit. Nicht nur die Leute, die mit der Bierflasche vorm REWE stehen und Kopftuchträgerinnen beschimpfen – sie selber werde, wenn sie mit einem schwarzen Freund durch die Straße gehe, regelmäßig als „Negerschlampe“ tituliert, vor allem von älteren Leuten, und sogar beim Arzt hätten sie erschrocken gefragt, ob der jetzt mit ins Wartezimmer kommen müsse. Sie habe ihn draußen warten lassen. Die denken halt nicht nach, sagt sie.
Montag, du kannst mich mal!, steht auf einer Postkarte, die über ihrem Schreibtisch hängt. Ich fahre durch den sonnigen Samstagnachmittag zurück nach Leipzig und versuche zu schlafen. Zwei Freundinnen feiern heute Abend ihren Geburtstag, das wird bestimmt sehr schön, ich will doch nicht todmüde sein.

Pöbel spielen

Ich singe sehr gern Chorstücke, in denen Aggressivität verhandelt wird. Zum ersten Mal wurde mir das angesichts bestimmter Renaissance-Lieder bewusst: etwa Mein Lieb will mit mir kriegen von Hans Leo Haßler. Darin ist von Liebesstreit die Rede, geführt mit fliegenden Fahnen, spitzen, herzblutgetränkten Pfeilen und zornglühendem Gemüt. Ähnlich ging es mir mit dem Spiritual The Battle of Jericho, den der amerikanische Komponist Moses Hogan zu einem höchst kriegerischen Satz gestaltet hat. Fernab der bloß allegorischen Andeutung reckt Joshua darin sehr anschaulich den Speer und bläst die Posaune, bis – krach – die Stadtmauern fallen, mutmaßlich Männer, Frauen und Kinder unter sich begrabend, und das Volk Gottes mit treibenden Rhythmen und einem alle Stimmen durchziehenden Triumphgeschrei in Jericho einzieht.
Am deutlichsten wurde mir mein Faible für Militanz im Chorgesang beim Paulus von Felix Mendelssohn-Bartholdy, einem Oratorium, das den Werdegang des Apostels Paulus darstellt. Anfangs ist Paulus ein Jerusalemer Schriftgelehrter, der sich in der Verfolgung der christlichen Minderheit hervortut. Er erscheint als gerichtlicher Zeuge bei der Steinigung des Predigers Stephanus, die das von Paulus aufgehetzte Volk fordert: „Weg mit dem! Er lästert Gott, und wer Gott lästert, der soll sterben!“ Die moralische Entrüstung steigert sich zum geeinten, vielmals wiederholten Ruf: „Steiniget ihn! Steiniget ihn!“, worauf der Tenorsolist lapidar informiert: „Und sie steinigten ihn.“
Es macht großen Spaß, mit voller Stimmkraft das aufgerührte Volk zu geben, es bereitet mir eine Lust, die ich als kathartische Wirkung des Pöbel-sein-Dürfens bezeichnen würde. Als ich das Stück mit meinem Hamburger Rentnerchor einstudierte, erschien vor meinem inneren Auge tatsächlich ab und zu die Bevölkerung Springfields mit gereckten gelben Fäusten. Der unverstellte Rückgriff auf Gewalt in diesen alten Geschichten hat etwas Faszinierendes, über das die Moralistin und Menschenfreundin in mir den Kopf schüttelt. Im Fall des Paulus geht es um die Wandlung eines Christenschlächters zum frommen Apostel, der sich dem Pöbel entgegenstellt, auf die Kraft der Liebe und des heiligen Worts vertrauend. Dennoch ist die Gerichtsszene genauso farbig und eindrücklich ausgestaltet wie später die Szene, in der ein anderer uneinsichtiger Heidenpöbel, wiederum den Herrn Jesus verleugnend, mit zärtlicher Melodie singt: „Seid uns gnädig, hohe Götter.“ In Schönheit, Anschaulichkeit und Länge stehen sie den christlichen Chören und Chorälen nicht nach. Mendelssohn, scheint es, hatte seinen Pöbel ziemlich gern. Ob er wohl eine kathartische Wirkung dieses Werks auf die bürgerliche Zuhörerschaft beabsichtigt hat?

Als Studentin bekam ich große Ohren, als Christoph Türcke in seiner Vorlesung von der Reinszenierung des Schreckens sprach, die aller Ästhetik zugrunde liege. Am Anfang der Kulturgeschichte stand das Bedürfnis, Zwang, Not und Gewalt, denen die Menschen in ihrer feindlichen Umwelt ausgesetzt waren, in eine halbwegs erträgliche Form zu bringen. Die Wiederholung des Schreckens mit menschlichen Mitteln, z. B. in Ritualen oder Anrufungen, hegt den Schrecken ein. Das kann helfen, das Trauma der realen Gewalt zu verarbeiten, indem es diese reale Gewalterfahrung noch einmal aufruft, aber unter abgeschwächten Bedingungen: Das Individuum, das einem Schauspiel oder einem chorsinfonischen Werk beiwohnt, weiß, dass es sich dabei um fiktionale Steinigungen handelt, und dass man, aller Ergriffenheit ungeachtet, am Tag nach dem Konzertbesuch früh aufstehen und arbeiten gehen muss.
Romantische Kunst lädt ein, sich der ästhetischen Illusion in hohem Maße hinzugeben; dennoch ist hier die Distanz zum realen Trauma weit fortgeschritten. Die Steinigung des Stephanus, die Paulus‘ Ausgangslage illustriert, muss der zeitgenössischen Zuschauerin als archaische Kuriosität erschienen sein, als romantische, zum Kunstgenuss einladende Kulisse – anders, als es bei einer Aufführung im heutigen Iran der Fall wäre, wo nach Scharia-Recht Steinigungen vollzogen werden. Dabei bleibt in der romantischen Kunst die Absicht unverkennbar, das reinszenierte Leiden in den Sinnzusammenhang der bürgerlichen Gesellschaft zu stellen. Paulus‘ religiöse Wandlung geschieht auf irrationaler Grundlage – Gott offenbart sich ihm –, macht ihn aber zum eigenständigen Bürger, bereit, für seine individuellen Überzeugungen einzustehen, und darin als Vorbild dienend.
Mendelssohns Darstellungen des enthemmten Pöbels spielen mit der blutigen Geschichte, sie kosten ästhetisch aus, was durch die biblische Quelle legitimiert ist. Die Erregung, die damit ausgelöst wird, ist abgemildert, Türcke zitierte dazu Rilke: „Das Schöne ist nur des Schrecklichen Anfang / den wir noch grade ertragen.“ Wir haben es also mit einem lustvollen Bezug zur Aggressivität zu tun, der darum weiß, dass Liebeskummer, Massaker und Steinigungen keine vergnüglichen Ereignisse sind; aber das anvisierte Publikum kann sich genügend historische, fiktionalisierende, über die Musik vermittelte Distanz leisten, um diese Schrecklichkeiten zu genießen.
Dass es darauf ankommt, den Schrecken in die eigene Regie zu nehmen, weiß ich als Feministin schon lange. Der destruktivste Weg, mit Aggressivität umzugehen, besteht darin, sie zu verleugnen und abzuspalten, wie Frauen es im Patriarchat seit jeher tun müssen. Kleinen Mädchen wird (mehr oder weniger subtil) beigebracht, ihre aggressiven Regungen zu unterdrücken, bis sie kaum mehr wahrgenommen werden. Keinesfalls darf die Aggressivität nach außen getragen werden, wo sie mit den Bedürfnissen anderer Menschen und der Institutionen, in denen man verkehrt, dialogisch vermittelt werden könnte. Genau das wäre ein sehr notwendiger Lernprozess nicht nur in Sachen Frauenemanzipation. Aggressivität, als emotionaler Grundbestand, muss kultiviert statt plump verboten werden – genau wie Sexualität oder der Konsum von Rauschmitteln. Diese Kultivierung steht nicht nur im Interesse der gesellschaftlichen Disziplinierung der Individuen (wo sie immer Gegenstand von Gesellschaftskritik sein muss), sondern auch im Dienst des Genusses.
Im unkultivierten Zustand ist Aggressivität zerstörerisch und ziemlich ungenießbar. Anders verhält es sich mit sublimierter, ins musikalische Werk gegossener Aggressivität. Sie ist kontrolliert – um wie viel mehr noch in einem sechsstimmigen Mendelssohn-Satz als in Pop und Rock –, sie kann beliebig aufgerufen und genossen werden und läuft dabei nicht aus dem Ruder. Im schlechteren Fall nimmt der Kunstgenuss der eigenen Aggressivität den Stachel, die Wucht, mit der sie sich auf den bevormundenden Mann, die Arbeitgeberin, den Staat richten müsste. Mir drängt sich ein Bild von einem Lohnabhängigen auf, der nach getaner Arbeit mit überhöhter Geschwindigkeit und wummernden Bässen nach Hause fährt, vielleicht das einzige kleine Freiheitsgefühl in seinem Alltag. – Im besseren Fall werden über die Kunst Erfahrungen und Erkenntnisse vermittelt, die über das Alltagserleben von Aggression allein nicht möglich gewesen wären, zumindest nicht in diesem Reichtum von Empfindungen, Impulsen, Assoziationen.

Haßler, der Renaissance-Komponist, lenkt die Aggressivität in seinen Liebesliedern, indem er Teile des Chors energisch gegeneinander führt. Mein Lieb will mit mir kriegen hat eine doppelchörige Struktur, ähnlich wie der Doppeltitel Ich brinn und bin entzündt gen dir / Brinn und zürne nur immerfort. In beiden Liedern gehen zwei Parteien, offensichtlich ehemals Liebende, in flammender Wut aufeinander los und machen der anderen ihre Gekränktheit zum Vorwurf. Bemerkenswert ist, dass es in diesen Liebeshändeln keine ordentliche Konfliktlösung gibt, keinen Kompromiss, der sich an irgendeinem vernünftigen Maßstab orientieren würde. Ich brinn und bin entzündt lässt der Anklage die Antwort folgen, dass Zorn und Hass ebenso herzlich erwidert werden: „Achtst du dann nichts mein Lieb und Gunst, acht ich viel minder dein Zorn und Brunst. / So brinn und zürne, so lang du wilt, dann mir eins wie das ander gilt.“ In Mein Lieb will mit mir kriegen kapituliert die anfangs siegesgewisse männliche Partei und unterwirft sich: „Ich bitt, schenk mir das Leben, dein G’fangner will ich sein.“ Dieser gewissermaßen voraufklärerische Zustand der Liebe, der vom feministischen Standpunkt keinesfalls zu wünschen wäre, ist zur Ableitung und zum Auskosten eigener Affekte sehr geeignet.
Im Paulus hingegen findet sich der Chor, wie beschrieben, zu einem prächtigen Lynchmob zusammen, einem skrupellosen Kollektiv. Der Logik des Steinigens entsprechend, ist es am Ende keiner gewesen: wieder eine antiindividualistische und recht unvernünftige Haltung, die politisch nicht wünschenswert, aber in einigen Weltgegenden furchtbare Realität ist. Aber beim Singen dieser Partien ergibt sich die sinnlich-körperliche Erfahrungsmöglichkeit, guten Gewissens Pöbel zu spielen. Eine seltene Möglichkeit: Teil eines Pöbels zu sein, der auf Angehörige einer verfolgten Minderheit losgeht, ist im moralischen Horizont einer Linken zu Recht tausendmal tabuierter als Liebesschmerz.

Alte Damen gegen Guerilla Knitting

„Meine Freundin, die strickt und strickt, aber da lohnt sich’s ja, die hat sechs Enkel.“
„Neulich war im Fernsehen so ‘ne Verrückte, die hat ihr Auto umstrickt. Jetzt fährt se damit rum.“
„So was ist doch pervers. Jetzt umstricken se alles, ooch Bäume.“
„Ja, die schönen Bäume! Ich habe früher viel gestrickt, jetzt bin ich zu kaputt dafür.“
„Ich hab mir zuletzt die Fäustlinge gemacht, gucke.“
„Und die Verrückte, ham se gesagt, die strickt jetzt den Innenraum aus.“

Excusez-moi

Es gibt keine neuen Blogbeiträge und kaum Zeit für Vorträge außerhalb Leipzigs. Das liegt daran, dass ich an einem Sammelband namens Feministisch streiten arbeite, der im Frühjahr 2018 im Querverlag erscheint. Bis dahin bin ich mit meinem entstehenden Buch verheiratet. Neben Lohnarbeit, Repro und den nötigen Vergnügungen wie Disco, Kneipe, Plenum ist das eine anstrengende Lebensart. Aber auch eine befriedigende: Die theoretische Leidenschaft, links und rechts neben dem Laptop eine schlummernde Katze, ist nicht die schlechteste.

Zainab

Neben Wahida gibt es Zainab, die mich beschäftigt. Das Erste, was ich über Zainab erfuhr, waren die fassungslosen Worte meines Vorgesetzten: Die ist 24, und ihr ältestes Kind ist elf.
Dass Zainab mit zwölf, maximal dreizehn Jahren verheiratet wurde, ist tatsächlich eine Tatsache, über die ich dauerhaft nicht hinwegkomme. Sie sitzt in meinem Hinterkopf und begleitet alle Erlebnisse, die ich mit Zainab habe, und alles Nachdenken über sie.
Zainab kommt nicht, wie ich zuerst vermutet habe, aus einer armen ländlichen Gegend, in der es keine andere Versorgungsmöglichkeit für Töchter gegeben hätte, sondern aus Damaskus – derselben Stadt, wo ihre Banknachbarin Jura studiert und ein anderer Teilnehmer ausgezeichnet Englisch gelernt hat: ebenfalls an der Uni und motiviert durch seine Begeisterung für die Sängerin Adele.
Die Gleichzeitigkeit von Moderne und religiös-traditionalistischer Antimoderne, die es in der syrischen Vorkriegsgesellschaft anscheinend gegeben hat, ist nicht leicht zu verstehen. Beispielweise ist es verboten, Kinder zu schlagen (sofern es nicht die eigenen sind) – und doch erzählen sie, alle seien sie in der Schule geschlagen worden, für Aufmüpfigkeit und bloßes Unwissen und systematisch auf die vorderen Fingerglieder. Ähnlich verwirrend waren die Reaktionen, als ich das Wort „Kneipe“ erklärte. Einige riefen: Niemand trinkt Alkohol! Alkohol ist nicht Islam! Andere winkten ab: Doch, doch, sie trinken Alkohol, Männer und Frauen, normal.
Letztere Stimmen sind allerdings in der Minderzahl. Es gibt, das ist mein Eindruck, so etwas wie einen islamischen Konsens, dem öffentlich kaum jemand widerspricht, während die private Auslegung bei vielen dann doch etwas freier ist; und die paar Christen und Atheisten treten kaum als solche in Erscheinung. Gut sichtbar wird das jetzt im Ramadan. Es ist ein bisschen lustig, wie erstaunt die Leute sind, dass sie als Betende und Fastende plötzlich in der gesellschaftlichen Minderheit sind; und dass es für Irritationen sorgt, wenn sie Abwesenheiten, verpasste Termine und nicht gemachte Hausaufgaben damit begründen, dass sie aus religiösen Gründen einen geschlagenen Monat lang ihre körperlichen Grundbedürfnisse vernachlässigen. Nach drei Wochen Ramadan stehen auch wieder Tassen in der Spüle, und ein älterer kurdischer Teilnehmer erklärt mir ausführlich seine verschiedenen Zipperlein, die ihn vom Fasten abhalten, und holt sich eine Zigarette aus der Hemdtasche und wandert hinaus auf die sonnige, gottverlassene Terrasse. Mein Vorgesetzter, der schnell fassungslos ist, meint, die muslimische Janusköpfigkeit erinnere ihn an die DDR.
Zainab aber, scheint es, steht vollen Herzens hinter dem Ramadan und hinter Allah. Im Unterricht fallen ihr fast die Augen zu, weil sie trotz Hunger und Durst nach dem Unterricht nicht ruhen und sinnieren kann wie die Männer, sondern das abendliche Festmahl zubereiten muss; deshalb macht sie ihre Hausaufgaben in fliegender Hast noch im Kursraum. – Ihre frühe Eheschließung mag damit zu tun haben, dass sie vermutlich aus einer religiösen Familie kommt und diese Religiosität recht ungebrochen weiterführt. Ich glaube, Zainab ist nicht die Frau, die sich gegen grundsätzliche Dinge zur Wehr setzt. Sie klagt zuweilen und hat schlechte Laune; aber islamische Richtlinien bleiben doch so selbstverständlich wie der Deutschkurs, an dem sie eifrig und pflichtbewusst teilnimmt.
Einmal proklamierte ein Teilnehmer, der mit mangelnder Affektkontrolle zu kämpfen hat, mitten im Unterricht: Es gibt keinen Gott außer Allah – richtig?
Ja, der Satz ist richtig, mit Akkusativ. Aber das ist verschieden, ich sage zum Beispiel: Es gibt keinen Gott.
Abdullah sieht mich entgeistert an, ein Anderer ruft spontan: Nicht gut! Abdullah sammelt sich: Warum sind in Europa viele Menschen, die Gott verloren haben?
Alle Menschen streben nach Allah, sagt Zainab über ihr Handy hinweg, wo sie, vermute ich, das Verb nachgeschlagen hat. Ihre Stirn ist gerunzelt wie immer, wenn sie nicht mit mir einverstanden ist.

In Syrien liegt das offizielle Heiratsalter für Frauen bei 17, für Männer bei 18 Jahren – aber auch diese Gesetzgebung, scheint mir, existierte schon vor dem Krieg relativ abgekoppelt von der sozialen Realität. Der Staat reicht nicht in diese privaten Angelegenheiten herein; umso wichtiger sind familiäre Verhältnisse. Im Kurs betonte ich, dass das Heiratsalter in Deutschland ebenfalls bei 18 liege und nicht unterschritten werden dürfe; wie das in Syrien möglich gewesen sei? Und Zainab schmunzelte und rieb die Finger der linken Hand aneinander, das internationale Zeichen für den kleinen Geldfluss, der vieles möglich macht. Zu beachten ist dabei, dass sie, wie viele Frauen in den Kursen, kein eigenes Konto hat, ja nicht einmal Zugriff auf das Konto ihres Mannes. Auf meine – zurückhaltend geäußerte – Verwunderung sagte sie fast trotzig: Mein Mann gibt mir alles Geld, für Essen, für Einkaufen.
Was mich an Zainab beschäftigt, ist generell die Tatsache, dass sie ihre Lebensumstände, die doch objektiv scheiße sind, nicht ganztägig bejammert und verflucht. Sie spricht genervt, aber auch mit Wärme und Stolz von ihren vier Kindern, allesamt Mädchen. Das schließt nicht aus, dass sie gern einmal ohne Familie Urlaub machen würde: in Hamburg, sagt sie, und sie würde im Zelt schlafen, weil das billiger wäre, und auf der Straße tanzen … Dann lacht sie über diese unmögliche Vorstellung.
Zainab trägt ein Kopftuch, ein strenges mit Untertuch, aber es ist pink oder türkis und Teil ausgeklügelter Farbensembles mit langärmligen Kleidern, Hosen, bunten Ballerinas, Lidschatten und Schmuck. Ihr Mann, den ich nur einmal schemenhaft gesehen habe, ist vielleicht zehn Jahre älter, und er hütet die Kinder, wenn Zainab im Kurs ist: Mein Mann sagt, ich soll gut Deutsch lernen.
Dass Zainab die Schule nach der sechsten Klasse verlassen hat, um zu heiraten, macht sich im Deutschkurs bemerkbar. Wie Wahida fällt ihr das Lernen nicht leicht – obwohl sie noch keinen Tag gefehlt hat und die Ungerechtigkeit, dass viel lernen nicht immer zum Erfolg führt, ihr schwer zu schaffen macht. Seit wir das deutsche Notensystem besprochen haben, will sie Noten von mir haben, Einser natürlich, und ist außer sich, wenn es nur zu einer Vier gereicht hat.
Zainab ist eine sehr präsente Zutat des Kurses, ihre wechselnden Stimmungen schwappen leicht auf die Anderen über. Vor einer Weile haben wir uns auf die Regel geeinigt „Der Kurs spricht 80% Deutsch“ – nach zähen Verhandlungen, die besonders von den persisch- und somalischsprachigen Teilnehmern unterstützt wurden. Zainab weigerte sich, die Abmachung zu unterschreiben. Zu gerne führt sie lange und emotionsgeladene Reden auf Arabisch, vermutlich des Inhalts, dass ja kein Mensch verstehe, was die Lehrerin – ich – da Komisches erkläre. Wenn ich sie dann bitte, mir ihr Problem zu erläutern, lehnt sich Zainab zurück, verschränkt die Arme und schaut mich finster an: Ich verstehe nicht. Manchmal legt sie auch den Kopf auf die Arme und reagiert nicht mehr. Dann sehe ich in ihr die überforderte Zwölfjährige, die von der Schule gegangen ist. Es wäre kein Wunder, wenn neben den Anforderungen von Ehe und Mutterschaft kein Platz geblieben wäre, um geistig zu reifen. Ich denke an die harte Zeit im Libanon, von der sie erzählte, wo sie keinerlei Einkünfte gehabt hätten, und wie sie schließlich mit ihrem Mann, an jeder Hand eine Tochter, die deutsche Grenze überschritten habe. Die zwölfjährige, vierundzwanzigjährige Zainab rührt und ärgert mich.
Einmal schnitt sie in einem kleinen Test schlecht ab und tupfte sich mit einem Taschentuch im Gesicht herum, um die Tränen zu tilgen, ohne dabei das Make-up zu beschädigen. Nach dem Unterricht ging ich zu ihr und wiederholte, dass es kein Problem sei, einmal nicht gut verstanden zu haben; das ginge allen so und wir würden die Grammatik am nächsten Tag wiederholen. Zainab sah mich anklagend an: Ich lerne jeden Tag. Bitte, sehen Sie. – Und sie zeigte mir die verschiedenen Deutschlern-Apps auf ihrem Handy. Ich sah ihr Hintergrundbild: ein Zainab-Selfie, die freie Hand im wallenden braunen Haar, und mit einem Gesichtsausdruck zwischen naiv und lasziv.
Auf der anderen Seite ist sie von einer lebens- und lachlustigen Sekretärinnenhaftigkeit und leicht zum Lachen zu bringen; manchmal muss ich mich bremsen, es nicht allzu sehr zum Ziel meines Unterrichts zu machen, Zainab bei Laune zu halten. Als versierte Pädagogin spreche ich ab und zu arabische, persische und somalische Übersetzungen nach, die die Teilnehmer einander zurufen. Es dient der Relativierung, dass ich natürlich nur im Deutschen die einzige kompetente Sprecherin im Raum bin; und es dient der Auflockerung, wenn sie dann über meine gräulich falsche Aussprache lachen und mir auf die Schnelle Kehllaute beibringen wollen. – Eines Tages hielt es Abdullah nicht mehr an seinem Platz, er sprang auf und begann, das arabische Alphabet an die Tafel zu schreiben. Sagen Sie: alif, ba, ta … Ich ließ mich darauf ein, und Zainab kicherte vergnügt, die beringte Hand vorm Mund,  als ich alles durcheinanderbrachte.
Nachrichten schaut sie nicht. Wenn ich den Kurs auffordere, sich bis zum nächsten Tag die Tagesschau anzusehen und ein paar Notizen zu machen, hebt Zainab die Hände; schlecht, immer schlecht, sagt sie. Weil sie Zainab ist, ignoriert sie dann meine Hausaufgaben als Zumutung.

Stückchen II

Mein schwarzes Kätzchen Mia kotzt meistens nachts. Neulich bin ich davon aufgewacht, dass Mia zwischen den katzentypischen Würgegeräuschen plötzlich mit menschlicher Stimme „Kim!“ sagte – sicherlich nicht für meine Ohren bestimmt. Jetzt kenne ich also den Namen der Vorbesitzerin (oder des Vorbesitzers?). Und ich habe den Beweis, dass Katzen nicht nur heimlich vernunftfähig, sondern auch sprachbegabt sind, und sentimentale Viecher sowieso.

Neben mir im Bus die Schülerin, fassungslosen Blicks, dass jemand freiwillig Gedichte liest.

Komisch eigentlich, dass man sich so selten eine Tasse Kaffee über den Laptop schüttet; und komisch, wie fassungslos man ist, wenn es dann doch geschieht. – Abgesehen von der Tastatur sei alles rettbar, beschwichtigt mich ein Computermann mit Mittelscheitel. Aufgeschraubt in seinem Laden offenbart der Laptop alle guten Dinge in meinem Leben: leicht in Unordnung geratene Hirnzellen, Kaffeeduft und jede Taste in einem weichen Bett aus Katzenhaaren.

Frauentag im Integrationskurs: „Die Blumen sollte aber schon der Mann bringen“, sprach der Chef und hechtete auf die Teilnehmerinnen meines Kurses zu, die teils schwankten, ob sie das Röschen annehmen sollten – denn, Zitat Chef, „die mit ihrem Patriarchat“ sind eben etwas verhalten. Ferrero Rocher, Plundergebäck in der Mittagspause und ein Abwasch von Männerhand lösen in mir eine am Arbeitsplatz seltene Vergnügtheit aus. War nicht alles schlecht in der Zone.

Wahida

Die Deutschen brauchen ihre Flüchtlinge mehr als die Flüchtlinge die Deutschen, behauptet Tuvia Tenenbom. Vielleicht hat er Recht; auf mich trifft es jedenfalls zu. Integrationskurse zu unterrichten, setzt mich in ein irgendwie handhabbares Verhältnis zur politischen Realität: Eine Sache, die ich zum Nutzen der Gestrandeten gut tun kann, ist die Vermittlung deutscher Grammatik. Außerdem wird es nicht schlecht bezahlt.
In einem meiner Kurse habe ich Wahida kennen gelernt. Wahida ist 42, Afghanin und hat, bevor sie vor einem Jahr mit Mann und vier Kindern nach Deutschland gekommen ist, zwanzig Jahre im Iran gelebt. Jetzt wohnt sie in Weißenfels, genauer, im Plattenbauviertel Südring, wozu sie nur sagt: Ist schön, ist gut, aber Teheran – zwölf Millionen, und jetzt Weißenfels.
Mir fiel erst nach einer Weile auf, dass ihr Kopftuch sehr locker sitzt, es lässt den Haaransatz frei und ist aus dünnem Flatterstoff, ein rhetorisches Kopftuch sozusagen. Farid, ihr Mann, mit dem sie anfangs im selben Kurs war, erzählte einmal, sie seien evangelische Christen. Auf die neugierige Frage, warum sie dann ein Kopftuch trage, zuckt Wahida die Schultern und sagt nebenher: Kalt in Deutschland. Ich kann nur rätseln, wie stark der Anpassungsdruck, sich zu verschleiern, nach zwanzig Jahren im islamischen Regime noch ist – und vielleicht heute fortwirkt in der Weißenfelser Community aus syrischen, afghanischen und somalischen Flüchtlingen, die deutlich muslimisch geprägt ist. Ich habe auch nicht herausgefunden, warum sie aus dem Iran weggegangen sind. Farid schüttelt nur den Kopf und sagt, nein, nicht gut im Iran. – Zum geblümten Kopftuch trägt Wahida blaue, braune und grüne Pullis und eine bunte Kittelschürze und ist im Ganzen eine forsche, einnehmende Erscheinung, die es mit der Welt aufnehmen kann.
Ich weiß nicht, wie Wahida und ihre Familie nach Deutschland gekommen sind. Oft scheue ich mich vor persönlichen Fragen, weil die Geschichten so arg sind, jede einzelne eigentlich. Das fängt an mit dem Thema Gestrandete. Als wir über Verkehrsmittel sprachen und ich Wörter wie Flugzeug, Zug, Schiff, Boot an die Tafel schrieb, lächelte der Kurs fast nachsichtig und sagte: Alle sind mit dem Boot gekommen. Altes Boot, kleines Boot, keine Toten, Alhamdulillah. Danach seien Einige gelaufen, ein paar mit Bussen gefahren; einer erwähnte ein Fahrrad, auf dem er den Balkan durchquert habe. Eine Teilnehmerin zeigte ihre Hände: Sie seien bei München über die Grenze gelaufen, sie und ihr Mann, an jeder Hand ein Kind. – Es wird seltsam in meinem Kopf, wenn ich darüber nachdenke, was die Leute, jeder für sich, Furchtbares hinter sich haben müssen und noch erleben, am eigenen Leib sowie durch ihre Verwandten und Freunde in Syrien und Afghanistan. Aber nur wenige erzählen ab und zu von Fassbomben und der katastrophalen Versorgungslage in Damaskus und äußern Hass auf Russland und den Iran. Als im Lehrbuch das Wort hassen vorkam, schrieb ich es an die Tafel und fragte: Sagen Sie ein Beispiel – was hassen Sie?, und aus der letzten Reihe trompetete eine: Ich hasse die Taliban! Wahida gehörte zur Mehrheit, die den Kopf schüttelten und sagten, es sei falsch zu hassen.
Es gab ein langes Hin und Her, bevor die Familie aus der Gemeinschaftsunterkunft in den Südring gezogen war. Auf meine Frage, ob sie mit der neuen Wohnung zufrieden wäre, nickte Wahida: Jede Person ein Zimmer! Ich dachte an Virginia Woolf und fragte voll Erwartung: Und Sie, haben Sie auch ein Zimmer für sich? Wahida schmunzelte und sagte: Nein, ich nein. Farid und ich – eine Person. Aber ist schön, ist gut.

Ich glaube, ich bin als Deutschlehrerin am richtigen Platz. Es ist das richtige Verhältnis von Nähe und Distanz zu den Menschen, mit denen ich beruflich zu tun habe. Ich unterrichte und helfe meinen Kursteilnehmern mit dem unendlichen bürokratischen Zeug. Ich hege ihnen gegenüber ein sozialarbeiterisches Mitgefühl und sozialarbeiterische Sympathie: eine Art verdinglichte Nächstenliebe, mit der ich nicht nur gut leben kann, sondern die mir auch viel gibt. Aber es ist ganz klar die Sprachvermittlung, weswegen ich mit ihnen zusammenkomme und wofür ich bezahlt werde; an dieser konkreten Sache halte ich mich fest. Auch für meine Schüler sind die täglichen vier Stunden Deutschunterricht vielleicht der greifbarste Ansatzpunkt, den sie in ihrem deutschen Alltag haben – verdonnert vom Jobcenter. In verschiedenen Stadien seelischer und manchmal auch körperlicher Beschädigung kommen sie zum Kurs, unterm Arm ihr Lehrbuch mit fröhlichen blonden Menschen drauf; und ich schimpfe über vergessene Hausaufgaben und lobe richtig gebaute Sätze und frage, ob es mit dem Internetanschluss geklappt hat; und genieße die Freundlichkeit und Dankbarkeit für „meine Lehrerin Koschka“, die sich teils in Leckereien äußert.
Wenn ich dann nach Hause fahre, fühle ich mich ein Stückweit befreit von der politischen Verantwortung für diese grässliche Welt. Ich habe mein Scherflein getan und mein Herz von allzu persönlicher Verwicklung frei gehalten. Schnitt; der Rest des Tages kann beginnen. Am liebsten würde ich gar nicht viel über meine Lehrtätigkeit schreiben, weil sie ja Lohnarbeit ist: die wirtschaftliche Grundlage für mein Schreiben, nicht dessen Anlass und Gegenstand. Und ich brauche den starken Schnitt zwischen Lohnarbeit und Literatur, um nicht nur mein Herz, sondern auch einen Teil meines Kopfes zum Schreiben frei zu halten. Meine Arbeitskraft zwischen Lohnarbeit, Literatur und Politik dreizuteilen – ein irgendwie gangbares Gleichgewicht der Dinge herzustellen: Das ist der alltägliche Kampf.
Trotzdem gehen mir einige Weißenfelser Erlebnisse nahe. Es kann gar nicht anders sein: Es handelt sich um meine Lebensrealität, meine Erfahrung, die bearbeitet und eingeordnet werden muss, also gar nicht umhin kommt, Anlass und Gegenstand meines Schreibens zu sein. Und diese Lohnarbeitsrealität ist nicht nur belastend, sondern auch befriedigend, auf unmittelbarere Weise als intellektuelle Arbeit. Oft ist sie auch lustig und ich besteige mit großer Vergnügtheit den Bus nach Hause. Das war an dem Tag der Fall, als die Frage „Was sind Ihre Hobbys?“ die anmutige Aufzählung hervorgebracht hatte: Koran, Fitness, Shakira, Kurdistan, Gazellen jagen. Eine solche Aufzählung dreht sich in meinem Kopf und formt sich zur Tagebuchnotiz und zum Anekdötchen, und ich lache vor mich hin, angetan vom Reiz des Anderen … Gleichzeitig muss ich durchdenken und formulieren, was manchmal bitter ist: dass auch ich für meine Schüler die Andere bin, die allein lebende Frau aus dem fernen Leipzig mit ihrer Herrenfrisur und ihrem hochgezogenen Knie am Lehrertisch, und die von ihren Katzen spricht, als wären es Kinder. Ich weiß, dass sie mir gegenüber eine bestimmte Maske nicht ablegen und mir nach dem Mund reden, wenn sie nicken, jaja, natürlich sei es verboten, Kinder zu schlagen. Und dabei wissen sie nicht, dass ich lesbisch bin und Israel gut finde. Dass ich beide Themen meide, ist meine Maske der Vorsicht und des Misstrauens.

Hingegen Wahida: Sie will nichts so sehr wie ein normales Leben mit schöner Wohnung, Klassenfahrten für die Kinder und einem Job im Supermarkt. Sie scheint zu ahnen, dass Farid, Mitte fünfzig und einst Kung-Fu-Meister, heute ein eher behäbiger Typ, beruflich vielleicht nicht wieder Fuß fassen wird. Manchmal fragt sie mich im Vertrauen: Farid – ist gut? Nicht gut? Wahida selbst ist energiegeladen und voll Anteilnahme gegenüber Lehrkräften und den anderen Teilnehmern; und auch im Gespräch mit ihren meist arabischsprachigen Mitschülern kämpft sie sich so beflissen wie notgedrungen durchs Deutsche. Gleich in der ersten Stunde fragte sie, noch halb pantomimisch, wie sie ihren Nachbarn nach dem Befinden seiner kranken Mutter fragen könne. Ich übte mit ihr die Wendung „Wie geht es Ihrer Mutter?“, und als ich mich ein paar Tage später erkundigte, wie das Gespräch gelaufen war, sprach Wahida mit lebhaften Gesten des Bedauerns: Tut, tut! Alles tut! – und ich kapierte erst nicht, dass die alte Dame gestorben war. Wahida und Farid sind dann sogar zur Beerdigung gegangen.
Ich habe lange nicht bemerkt, dass Wahida das Deutschlernen auch deshalb so schwer fällt, weil sie nicht richtig lesen kann. Wochenlang saß sie mit Farid über das gemeinsame Lehrbuch gebeugt, der seinerseits im Lückentext mehr mit Glückstreffern punktete als mit Lernerfolgen, und beider Zeigefinger und Bleistiftspitzen hielten ängstlich die Zeile fest. Wahida stand der Schweiß auf der Stirn und Farid nickte bei jeder Frage und rückte an seiner silbernen Brille. Einmal sagte er so gravitätisch, dass ich zwischen Lachen und Scham schwankte: Mein Lieblingsbuch ist das Deutschbuch. – Ein andermal sprach ich über Vergangenheitsformen und fragte: Sie sind in Weißenfels. Wo waren Sie vor zehn Jahren? Die Teilnehmer antworteten nacheinander: Ich war in Syrien, in Aleppo, in Latakia; dann kam Wahida an die Reihe, die das Geschehen mit gerunzelter Stirn verfolgte hatte, und sagte mit Loriot’schem Ernst: Ich bin zweiundvierzig Jahre alt.
Als immer klarer wurde, dass Wahida den Stoff nicht recht bewältigen kann, habe ich mir aus den langen, immer neuen Gesprächsversuchen mit Wahida und Farid, die wahrscheinlich für alle Beteiligten etwas mühevoll waren, diesen Gang der Dinge zusammengesetzt: Wahida ist nicht zur Schule gegangen. Der Weg zur Mädchenschule, die sie anfangs besuchte, war nicht sicher; deshalb behielten die Eltern Wahida und ihre sieben Schwestern lieber zu Hause. Die arabischen Buchstaben hat sie sich aus Heften und Büchern selbst beigebracht. Dass die lateinischen Buchstaben und das Lesen von Sätzen und kleinen Texten völlig neu für sie sind, scheint im Einstufungstest nicht aufgefallen zu sein.
Wie bei den meisten Paaren, mit denen ich zu tun habe, ist bei ihnen der Mann für alles Schriftliche zuständig. Dass Farid fließend Persisch lesen und schreiben kann, bewundert Wahida sehr – umso anrührender, als auch Farids Kampf um die deutsche Sprache kein leichter ist. Viele meiner Aufgabenstellungen zogen lautes panisches Flüstern vonseiten des Ehepaars nach sich; und allzu oft gab Farids Bleistiftspitze nachdrücklich die Antwort vor. Wahida war die einzige Frau im Kurs, und so war es ohnehin eine Kavalierssache, dass ein Großteil des restlichen Kurses ihr die richtige Antwort entgegen gerufen, geflüstert, gezischt hat. Einmal hat Wahida mir anvertraut, dass sie schlimmes Herzklopfen und Augenzucken bekomme, wenn ich sie aufrufe; ich war sehr getroffen.
Nach einer Weile ist Wahida in einen Alphabetisierungskurs gewechselt. Strahlend marschierte sie mit ihrem ABC-Buch zum neuen Kurs, wo sie nun in der ersten Reihe sitzt und absolutes Engagement fordert – von ihrer Lehrerin wie von den anderen Teilnehmern. Die Kollegin, die den Alphakurs unterrichtet, erzählt, wenn zu viel geschwatzt und Unsinn getrieben wird, drehe Wahida sich um und sage gebieterisch: Wir lernen hier!
In der Pause kommt sie oft zu mir und wir schütteln einander die Hände. Ist Ihr Kurs gut, Wahida? – Ja, ist gut. Aber schwer, schwer!
Manchmal wirkt sie erschöpft: Es seien doch sehr viele Treppen bis zur neuen Wohnung im vierten Stock. Und Farid sagt, oh, Wahida immer lernen, Deutschbuch, Fernsehen, Frauencafé, ganzen Tag! Aber schwer, sehr schwer. – Die neue Lehrerin möge sie im Unterricht häufiger aufrufen, damit sie besser lerne. Sie wäre so gerne bald Verkäuferin im Supermarkt.