In jungen Jahren

Ich war zu Besuch in der Katharina-Luther-Stube in Torgau, wo die längst verwitwete Reformatorengattin 1552 ihre letzten Tage verlebte, vor der Pest aus Wittenberg geflohen und mit einem auf der Flucht gebrochenen Beckenknochen. Das Museum besteht tatsächlich nur aus einem Raum plus Hinterstube, die Exponate erschöpfen sich in Porträtzeichnungen und Stichen, einigen frühen Drucken von Lutherschriften und hauswirtschaftlichen Gegenständen, wie man sie damals benutzte. Dazu ist der weiße Putz an zwei Stellen aufgebrochen und offenbart das grobe, rauchgeschwärzte Mauerwerk vergangener Jahrhunderte.
Ich bin die einzige Besucherin. In einem kleinen Nebenraum sitzt die Museumswächterin, mittleren Alters und in intensives Türkis gekleidet, und will zwei Euro. Sie weist auf das am nächsten hängende Porträt: Hier, da isse noch ganz jung. – Ach, das war, bevor sie den Luther geheiratet hat? – Na, hier steht doch, Katharina Luther in jungen Jahren, das heißt, sie hatte schon geheiratet …
Mehr wisse sie aber nicht, es sei erst ihr zweiter Tag hier.
Ach so, sage ich, und dann versöhnlich: Ob Luther wohl ein so guter Ehemann gewesen ist? – Pfff, sagt die Wächterin, – das weiß man ja alles nicht. Also, ich würde jedenfalls nicht noch mal heiraten.

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