Status quo

Vormittags allein im Café sitzen, eine Frau Anfang dreißig, ungestört lesend und vor mich hin fabulierend, mit Lust aus einem kulturellen Reichtum schöpfend, der mir ohne große Mühe zugänglich ist, nur vage im Hinterkopf: die Lohnarbeit, die politische Lage, eilige Dinge – stundenlang dort sitzen, ohne über das Geld für einen zweiten, dritten Kaffee nachzudenken – das alles wenigstens ab und zu –: ein Status quo, der nicht immer gut ist, aber mir lieb, vertraut, außerdem oft produktiv und so viel mehr, als der globale Durchschnitt, zumal der weibliche, sich an Müßiggang erlauben kann.

Unruhig aufsehen, wenn schwer bepackte Hausfrauen, wenn Polizisten vorübergehen, als wäre er schon wieder eine Anmaßung, dieser Status quo; den Kaffee bezahlen, das Heft zuklappen, Heft, Buch, Zeitschrift einstecken, mich ins Schaltuch verziehen und denken:

Mit Zähnen und Klauen will ich ihn verteidigen.

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